GWG Köln-Sülz » Über uns » Gründung und Entwicklung

Die GWG Köln-Sülz eG besteht bereits seit dem Jahre 1920. „Auf der Tagesordnung steht die Gründung der Baugenossenschaft“. Mit diesem einen Satz lud der „Katholische Arbeiterverein Köln-Sülz“ für den 15. April 1920 zu einer Mitgliederversammlung ein, auf welcher der wohl mutigste Beschluss der Geschichte der Sülzer KAB gefasst wurde. Die Gründungsversammlung der „Sülzer Siedlungsgenossenschaft“ erfolgte schon 10 Tage später, nämlich am 25. April 1920, und bereits am 16. Mai 1920 wurde in der Gaststätte Olligschläger auf der Sülzburgstraße der Aufsichtsrat gewählt.

Die Gründung erfolgte in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit und war ausgelöst durch die Wohnungsnot unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg. Maßgeblich an der Gründung beteiligt waren die Vorstandsmitglieder des „Sülzer Arbeitervereins“ Anton Antweiler und Mathias Bickendorf sowie der damalige Präses Kaplan Josef Meier. Geschäftsführer wurde Anton Antweiler, Kaplan Meier wurde gleichfalls in den Vorstand gewählt. In seiner Kaplanei befand sich anfangs auch das Büro der Genossenschaft.

Anton Antweiler wurde 1936 wegen seiner religiösen und politischen unbeugsamen Einstellung auf einen Befehl von außen zum Rücktritt gezwungen. Es sollte der Mensch Antweiler, an dem jedoch kein Makel zu finden war, getroffen werden. Als einer der ersten Akte nach dem Krieg vollzog die Genossenschaft 1945 die Rehabilitierung und Wiedereinsetzung des verdienten Mannes. Seine Dienstgeschäfte konnte er jedoch aufgrund seines inzwischen hohen Alters nur kurze Zeit wahrnehmen. Sein guter Geist sollte mit der Straße, die seinen Namen trägt, erhalten werden. An dieser Straße baute die Genossenschaft 1956 das Büro, welches bis heute die Geschäftsstelle beherbergt….

Die ursprüngliche Prägung der genossenschaftlichen Bewegung erfolgte durch den Sozialreformer Viktor Aimé Huber. Er propagierte bereits im 19. Jahrhundert das Prinzip der abgeschlossenen Familienwohnung als Bedingung für die Autonomie der Familie und hatte dabei erkannt, dass die neu entstandene Schicht der Massenarbeiter als ein selbstbewusster Stand in die Gesellschaft integriert werden musste.

Zunächst gingen Huber’s Ideen nur schleppend voran, da die organisatorische und finanzielle Fremdhilfe fehlte. Erst als 1889 das Genossenschaftsgesetz mit der beschränkten Haftpflicht für jeden Beteiligten erlassen wurde, wurde das Risiko kalkulierbar und die Bereitschaft zur Investition in die neuen Unternehmen größer.

In Köln gab es ab 1919 einen regelrechten Boom von Selbsthilfebewegungen. Unter äußerst schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erlangte die sogenannte Muskelhypothek eine Bedeutung, die vor 1914 im Genossenschaftssektor nur selten zu beobachten war. In fast allen deutschen Städten gab es eine einmalige Gründungswelle von Genossenschaften, die in manchen Kommunen zum Träger der örtlichen Wohnungspolitik wurde. In Köln wurden von 1919 – 1926 allein 90 Wohnungsgenossenschaften gegründet, der Höhepunkt der Gründungswelle war 1922.

Im Jahr 1927 gab es bereits 121 genossenschaftlich gemeinnützige Wohnsiedlungen in Köln. Die Kölner Wohnungsgenossenschaften hatten 1939 rund 27.000 Wohnungen im Bestand.

….schon 1920 wurde mit dem Bau der Häuser Berrenrather Straße 390 – 406 begonnen. In weiteren Bauabschnitten entstanden die Häuser im Bereich Sülzgürtel – Berrenrather Straße – Neuenhöfer Allee sowie der Urftstraße und der Olefstraße.

In Köln gab es vor dem Krieg etwa 250.000 Wohnungen, von denen rund 37 % unbewohnbar wurden. Die Kölner Wohnungsgenossenschaften verloren 6.400 Wohnungen ihres Bestandes vollständig, das waren rund 24 %. Ein großer Teil der übrigen Wohnungen war beschädigt und nur begrenzt bewohnbar.

….Im Kriegsjahr 1943 erfolgte der Zusammenschluss unserer Genossenschaft mit vier weiteren Genossenschaften, doch schon bald darauf war ein Großteil des Bestandes ein Trümmerhaufen.

Dieser Zerstörungsgrad erforderte wohnungspolitisches Handeln. Bevor 1950 das erste Wohnungsbaugesetz erlassen wurde, hatten die Genossenschaften längst zur Selbsthilfe gegriffen.

Genossenschaften als Instrument der staatlichen Wohnungspolitik

Die Zeit des Wiederaufbaus war geprägt von staatlichen Bauprogrammen, die weitest gehend von den gemeinnützigen Wohnungsunternehmen, zu denen die Genossenschaften gehörten, durchgeführt wurden. Ursprünglich gab es bei den gesetzlichen Regelungen für die als gemeinnützig anerkannten Unternehmen keine Wohnungsbindung. Staatliche Abhilfe wurde hier erst mit dem zweiten Wohnungsbaugesetz von 1956 geschaffen. Faktisch spielte das aber zunächst für die Genossenschaften keine Rolle, denn sie verhielten sich durch ihre satzungsmäßige Regeln ohnehin bis heute als Bestandswahrer und –erhalter. Mit diesem besonders stark durch die Genossenschaften praktizierten Wohnungsbau wurde breiten Schichten der Bevölkerung der Zugang zu Wohnraum ermöglicht, den sie sich sonst nicht hätten leisten können.

Logo der GWG Köln-Sülz eG

Die Genossenschaften verliehen mit der Namensgebung dem Wunsch der Menschen nach Verbesserung und Idealisierung der Lebensbedingungen oder Geborgenheit oftmals direkten Ausdruck. Daher sind Genossenschaftsnamen wie Fortschritt, Grundstein, Freies Land, Heimland, Mutterheim etc. verbreitete Namensgebungen.

Aus Anlass des 40-jährigen Bestehens, also im Jahr 1960, kam von dem damaligen Vorstand der GWG Köln-Sülz eG die Anregung einer symbolischen Darstellung der Genossenschaft. Der unten abgebildete Entwurf des Grafikers Konrad Schmidt war so gut, dass dieser als ein gelungenes Zeichen für die Aufgabe und die Verpflichtung gegenüber den Mitgliedern angenommen wurde.

Das Emblem stellt die Familie mit der notwendigen Nahrung unter dem schützenden Dach gegen Sonne und Regen in der Gemeinschaft aller Mitglieder dar.